Lamazère Brasserie – Berlin

Ein wenig Pariser Flair mitten in Berlin erleben? Sich mit typischen französischen Gerichten verwöhnen lassen und dazu korrespondierende außergewöhnliche Weine genießen? Geht das wirklich? Und ob! Alles was ihr dafür tun müsst: schnell einen Tisch in dieser gemütlichen Brasserie für einen wunderschönen, herzlichen und entspannten Abend reservieren.

Noch könnte man von den Temperaturen her vielleicht auch draußen sitzen, aber drinnen ist es irgendwie viel interessanter. Gleich rechts beim Eingang ist ein Tresen, an dem zu späterer Stunde Gäste schwatzend und essend sitzen und dort den einen oder anderen Blick in die Küche werfen können. Bequemer sind die langen weinroten Sitzbänke an den Wänden links. Davor stehen die typischen Bistrotische und Bistrostühle auf einem mit bunten Fliesen ausgelegten Boden. Über den Sitzbänken befinden sich Spiegel die dem Raum mehr Tiefe verleihen und über die man das Geschehen in der Brasserie beobachten kann. Über diesen Spiegeln befinden sich in großen rustikalen Holzregalen unzählige Weinflaschen die darauf warten geöffnet zu werden. Die Wände sind in einem warmen Gelbton gestrichen und alt anmutende Jugendstil-Deckenleuchten tauchen die Brasserie in ein warmes dezentes Licht. Der Raum ist mit Gesprächen angefüllt und es herrscht eine angenehme Lebendigkeit.

Die Speisekarten hängen als Tafeln an den Wänden oder werden zur besseren Lesbarkeit neben dem Tisch abgestellt. Es ist eine kleine aber oft wechselnde Karte. Man möchte glauben, das die Entscheidung dadurch leichter fallen würde und die Wahl schneller getroffen werden könnte. Doch so einfach ist das nicht! Alles weckt die Neugier und möchte probiert werden. Gern wird auf Fragen zu den Speisen eingegangen und mit Leidenschaft erklärt und beraten. Wer sich mit Wein – und im speziellen mit den französischen Weinen – noch nicht so gut auskennt, kann sich ganz entspannt zurücklehnen und auf die genialen Empfehlungen vertrauen. Keine einzige dieser Empfehlungen hatte ich je zuvor irgendwo anders probiert. Sie sind in der Tat etwas ganz Besonderes und die offenen Weine sind genau solche Gaumenfreuden, wie die angebotenen Flaschen. Das ist eher eine Seltenheit in den meisten Restaurants wo offene Weine meist stiefmütterlich behandelt werden. 

Den spritzigen Auftakt macht ein gut gekühltes Glas Rosé Cremant D’Alsace Brut Grand C. Er passt wunderbar zu dem Sauerteigbrot, der salzigen Butter und dem französischen Aufschnitt. Nach einem kurzen Weilchen stehen  schon die Vorspeisen auf dem Bistrotisch. Es gibt für uns einmal einen Klassiker aus Frankreich: Poireaux vinaigrette mit Pistazien, Grünkern und Mimolette und die Gebratene Foie Gras mit Steinpilz, Roter Beete, Meerrettich und Sauerampfer. Der Poree ist leicht gedünstet und wird kalt mit der Senfvinaigrette serviert. Ein wenig Pfefferminze ist zu schmecken und wirkt erfrischend, Pistazien und Grünkern geben der Vorspeise eine kräftigere Note, der Mimolette rundet ab. Wenn ich allerdings gewusst hätte, wie lecker die Leber ist, muss ich gestehen, hätte ich mich anders entschieden. Die Leber ist absolut zart und zerfällt fast von selbst. Sie schmeckt nach Entenbraten. Die feinen Rote Beete-Würfel passen hervorragend dazu. Der Steinpilz und die Sauerampfercreme sind das krönende Sahnehäubchen. Zur Leber wurde als Weinbegleitung ein ungefilterter Pinot Grigio aus der Alsace gereicht. Dieser hat durch die rötliche Farbe aus den Schalen der Traube eine leicht rötliche Färbung angenommen. Er schmeckt kräftig und fast schon etwas kantig. Solo getrunken könnte es kompliziert werden und den Gaumen überfordern. Aber zu diesem Gericht ist er der ideale Begleiter.

Das Hauptgericht ist einmal der Gebratene Schwertfisch mit Paprikabutter, Zuckerschoten und Tempura-Broccoli und zum anderen das Gebratene Iberico-Schweineconfit mit Tomatenchutney, Zucchini, Melone und Bayonner Schinken. Beide Gerichte sind absolute Klasse. Der Fisch ist saftig und zart, die Paprikabutter ist mit etwas Piment d’Espelette gewürzt und leicht scharf. Das Gemüse ist lecker und gut gewürzt. Sensationell finde ich die ein klein wenig wie Hanfblätter aussehenden dekorativen Blätter auf dem Teller. Der Geschmack erinnert an Okraschoten. Bisher habe ich noch nicht herausfinden können, was ich da leckeres gegessen habe und wo man so etwas kaufen könnte. Vielleicht erkennt einer von euch diese Blätter? Zum Gericht gab es als Weinbegleitung den Esprit de l´Horizon Blanc 2018 mit angenehme Säure und einem dezent fruchtigen Geschmack. Das Iberico-Schweineconfit ist sehr zart und saftig. Das Chutney wurde unter anderem mit Kreuzkümmel gewürzt. Die Zucchini kommt als Püree auf den Teller. Die leckere vollmundige Soße schmeckte ähnlich wie der Rotwein leicht nach weihnachtlichen Gewürzen.

Ein absolutes Muss ist das berühmte Dessert dieses Restaurants: Milchreis mit Caramellsoße und Mandelkrokant. Auch wenn sich die anderen Desserts extrem gut anhören und der Vorsatz etwas Neues auszuprobieren bei jedem Besuch da ist… Im letzten Moment geschieht der Sinneswandel und die Bestellung endet wieder beim geliebten Milchreis. Dieser wird kalt serviert, ist etwas bissfest aber dennoch cremig, leicht süß und schmeckt herrlich nach Vanille. Dazu gibt es eine unwiderstehliche Caramellsoße, leicht gesüßt, mit buttrigen Geschmack, die vielleicht sogar einen Hauch Salz vertragen könnte. Wer mag kann sich den Milchreis noch mit dünnem Mandelkrokant verfeinern oder diesen einfach solo wegknabbern. Die Komposition macht nicht nur sehr satt sondern auch sehr süchtig. Wer einmal probiert hat, wird es wahrscheinlich immer wieder bestellen.

Als kleinen Abschiedsgruß aus der Küche gibt es am Ende eines jeden Besuches ein warmes Madeleine, zart mit Puderzucker bestäubt, direkt vom Blech. Es duftet herrlich, ist fluffig und eine wirklich liebe individuelle Geste. 

Hier kann ich endlich den Satz „Essen wie Gott in Frankreich“ richtig nachvollziehen. Alles passt so wunderbar zusammen: das Essen, der Wein, die Atmosphäre, die Herzlichkeit. Hier wurde durch Régis Lamazère mit viel Leidenschaft ein außergewöhnlicher Ort geschaffen, den sowohl Stammgäste als auch die, welche es noch werden wollen, zu schätzen wissen. Wer nach Genuss sucht, wird in diesem Restaurant ganz gewiss auf seine Kosten kommen. Und nicht zu vergessen: das Preis-Leistungsverhältnis ist einfach grandios für die hier angebotene außergewöhnlich kreative und qualitativ sehr hochwertige Küche.

Wenn ihr etwas mehr über den sympathischen Betreiber, seine Biografie und seinen Lebenstraum erfahren wollt, dann findet ihr unter https://lamazere.de/  zusätzlich auch zwei sehenswerte Videos.   

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Adresse:

Lamazère – Brasserie

Stuttgarter Platz 18

10627 Berlin

Fon: 030 31 80 07 12

https://lamazere.de/


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