Wochenmarkt Winterfeldtplatz Teil II – Berlin

Es war endlich wieder Samstag, kurz vor 08:00 Uhr. Das Thermometer zeigte schon jetzt im Schatten 23,8 Grad an. Gleich würde ich losgehen und in die bunte herrliche Welt des Sommers auf diesem Markt eintauchen der ein ganzes Feuerwerk an überbordenden Leckereien bereithält und mich nach wie vor in seinen Bann zieht.

Die Fülle der Natur ist gefühlt von keiner anderen Jahreszeit zu überbieten. Die Farben sind überwältigend: Rottöne von dunkel bis hell, von kühl bis warm, violettblau, orange, saftiges grün, ockergelb… Es ist ein Meer aus Farben, Düften und Texturen. Wenn es nicht so heiß wäre, würde ich viel mehr Zeit einfach mit Schauen und Staunen verbringen.

Blumen_9207

Der Markt hat sich nach der ersten Corona Welle verändert. Er hat sich vergrößert, nicht nur weil die einzelnen Stände mehr Abstand zueinander halten, sondern weil in der Gelditschstraße weitere Stände dazugekommen sind. Dort werden diverse Bekleidung, Taschen und natürlich Mund- und Nasenbedeckungen verkauft. Verändert hat sich auch, das jetzt am frühen Morgen schon viel mehr Kunden unterwegs sind als noch vor ein paar Monaten. Vermutlich liegt das nicht nur am sommerlichen Wetter. Ein paar angestammte Stände fehlen im Moment vor Ort und werden meist kurzfristig von fremden Anbietern ersetzt. Es ist wahrscheinlich für einige Verkäufer einfach zu heiß zum verkaufen ihrer Waren ohne geeignete Kühlung oder weil endlich die perfekte Zeit für den Sommerurlaub ist.

Gemüse_8617

An meinem Lieblings-Gemüsestand gibt es derzeit sehr leckere zarte grüne Bohnen. Die schmecken so köstlich, das ich sie jeden Tag essen könnte. Die grünen Gurken sind ebenfalls absolut zu empfehlen. Sie schmecken wie aus Omas Gemüsegarten, herrlich intensiv. Beim Aufschneiden sind sie fester und haben ein intensiveres Grün als ihre verwässerten Gewächshaus-Geschwister im Supermarkt. Dazu etwas frischen Dill, Rapsöl, weißer Balsamico-Essig, weißer Pfeffer, eine Prise Zucker und Vanillesalz – fertig ist ein simpler erfrischender Salat. Das Highlight und wofür sich das zeitige Aufstehen lohnt sind die Tomaten der Sorte Campari, super lecker, saftig, leicht süß mit knackige Schale – ohne die gehe ich nicht nach Hause! Empfehlenswert sind auch die frühen Apfelsorten. Sie erinnern sehr an einen Klarapfel, sind saftig, haben aber weniger Säure und verströmen zu Hause einen unglaublichen Duft.

 

Am Käsestand von Knippenbergs landen sommerlich leichte und erfrischende Käsesorten im Körbchen. Der Kalathaki ist eine Art Fetakäse mit einem hübschen Muster und mit einem dezent säuerlichen Geschmack. Passt prima zu den Tomaten oder der grünen Gurke. Der zarte weiche sahnige Burrata ist auch seit Wochen immer wieder mit dabei. Er sieht aus wie ein kleiner Mozzarella dessen Inneres mit einer sahnigen Creme gefüllt ist. Er schmeckt minimal süßlich und den Kombinationsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Vor ein paar Wochen wurde er mit gebratenem grünen Spargel, Erdbeeren, Olivenöl und Himbeeressig genossen. Himbeeren und Rucola oder klassisch mit Tomaten und Olivenöl sind ebenfalls eine Wucht zu diesem erfrischenden Käse. Bin schon gespannt, wenn es Feigen gibt, wie diese mit dem Burrata zusammen harmonieren werden. Etwas ganz Besonderes ist auch der Tomme fraiche. Er ist luftig zart und hat einen feinen Geschmack. Hergestellt aus Ziegenmilch schmeckt er nicht ansatzweise zickig. Besonders lecker auf Roggenbrot und dekoriert mit Himbeeren oder Heidelbeeren. Etwas anderes Verlockendes für alle die sich bisher nicht an Schafskäse herangetraut haben ist der Schafskäse vom Luisenhof. Hier handelt es sich um eine zarten hellgelben Schnittkäse mit einem edlen feinen Geschmack, perfekt für den Sommer zusammen mit einem schönen spritzigen Weißwein auf der Terrasse. Außer Käse gibt es noch diverse Olivensorten. Der Hit im Sommer sind gerade die Zitronen-Oliven. Grüne knackige Oliven eingelegt in Öl mit abgeriebener Zitronenschale. Im Winter mag ich sie nicht so sehr, aber im Moment kann ich davon nicht genug bekommen.

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Weiter geht es zum Backwarenstand von Lindner. Hin und wieder landen ein paar Sanssouci-Brötchen, weil sie so herrlich kräftig nach Roggensauerteig schmecken und super zum Käse passen, im Korb. Im Moment ist das Arbeiten in dem Verkaufswagen dort eine echte Herausforderung. Die Wespen tummeln sich auf den süßen Kuchen und umschwirren die Verkäuferinnen. Die beiden bleiben aber total entspannt und meinten, dass es letztes Jahr viel schlimmer war und sie noch nie gestochen worden sind. Ich würde vor Panik schreiend dort rausrennen und meine Waren den Wespen überlassen… Schnell noch zum Backwarenstand eines netten Franzosen gelaufen, einen Brotbagel mit Peperoni und mediterranen Gewürzen drauf sowie ein fluffiges rundes Weißbrot gekauft. Passt auch alles hervorragend zu den Käsesorten.

 

Zum krönenden Abschluss geht es zu einem weiteren Obst- und Gemüsestand am Eingang an der Gleditschstrasse. Hier folgt nun das Finale Grande in Form von Sommerfrüchten: Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren – pur gegessen oder im Joghurt untergemischt oder mit Tomme fraiche kombiniert. Die Melone die später aus dem Kühlschrank für eine Erfrischung sorgt, Kirschen und Pflaumen die nicht im Kuchen landen, weil es zu heiß zum Backen ist und einfach so weg geknabbert werden. Oder die türkischen Pfirsiche, die so saftig sind, das man sie ohne zu kleckern nicht essen kann. Könnte der späte Sommer schöner und süßer schmecken?

Die Hitze der letzten Tage und Wochen war hart und ich möchte mit keinem der Verkäufer dort tauschen. Wenn ich daran denke, ich müsste den ganzen Tag auf dem Winterfeldtplatz stehen und meine Waren anbieten, verlässt mich der Mut. Morgens mag das alles noch gehen. Die letzte Kühle der Nacht ist noch leicht zu spüren. Aber schon ein paar Stunden später sieht die Welt dort anders aus. In der Hitze unter einer Plastikplane oder in einem kleinen Wagen ohne Kühlung stehen und dabei gut gelaunt bleiben, ist eine Herausforderung und verdient Respekt. Als ob das noch nicht genug ist, leisten einen die hungrigen Wespen Gesellschaft. Je nach Stand kämpft man dann mit mehr oder weniger von ihnen. Ein Lichtblick: Die nächsten Tage werden uns angenehmere Temperaturen bringen. Und nicht lange, dann kommt der Herbst mit neuen Genüssen in Form von Steinpilzen, Pfifferlingen, Kürbissen, Esskastanien, Quitten, Pastinaken und dem grandiosen Topaz-Apfel. Ich kann es kaum erwarten.

Adresse:

Wochenmarkt Winterfeldtplatz

Samstags 08:00 – 16:00 Uhr

Gut erreichbar mit U1, U2, U3, U4 oder M19 bis Nollendorfplatz,

(Parkplätze sind sehr rar)


2 Gedanken zu “Wochenmarkt Winterfeldtplatz Teil II – Berlin

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