Anabelas Kitchen – Berlin

Es war eine Empfehlung, eine vage Beschreibung, doch leider ohne den Namen des Restaurants. Nur der ungefähre Ort wo es zu finden sei. Es wäre ein Portugiesisches Restaurant, es wäre gut und etwas Besonderes.

Das weckte die Neugier in mir. Etwas zu finden, besser gesagt heraus zu finden, macht mir Spaß. Von der Beschreibung her konnte es am Ende nur dieses eine Restaurant sein. Vor dem stand ich dann an einem Sonntag, weil ich gerade in diesem Teil von Berlin unterwegs war. Das Anabelas Kitchen war geschlossen. Ruhig gelegen in der Nähe des Savignyplatzes, in einer Parallelstraße zur Kantstraße.

Der erste Blick durch die Tür und das große Schaufenster verwirrte mich. Ich bin mir nicht sicher, woran man ein Portugiesisches Restaurant erkennen könnte. Was denn typisch dafür wäre, vielleicht Azulejos an den Wänden? Das was ich sah, erinnerte mich eher an ein Österreichisches Lokal. Ich war ehrlich gesagt im ersten Moment unsicher, ob ich wirklich mal hierher gehen wollte. Als Österreichisches Lokal steht etwas anderes auf meiner Wunschliste.

An irgendeinem Samstagabend stand dann fest, die eigene Küche bleibt kalt. Der Weg führte in die Kantstraße und irgendwo würde sich schon ein Plätzchen finden. Hier gibt es sehr viele interessante Restaurants, auch in den Seitenstraßen der Kantstraße. Da dürften noch einige Schätze zu entdecken sein. Aber alles zu seiner Zeit!

Am Ende stand ich mit Begleitung wieder vor Anabelas Kitchen aber ohne eine Reservierung. Wenige Tische waren noch frei. Beim Eintreten wurden wir gebeten kurz zu warten. Ohne Reservierung müsste heute die Küchenchefin entscheiden, ob wir den Abend hier verbringen dürfen. Kurzes Bangen beim Warten und interessiertes Betrachten der Falltür am Boden neben der Theke. Die fand ich sehr spannend. Mir wurde erklärt, dass dies typisch für alte Häuser in Berlin sei, die schon zu früheren Zeiten Restaurants gewesen waren. Darin wurden die Vorräte gelagert und kühl gehalten. Auch heute würden dort noch Dinge gelagert werden. Gern hätte ich aus Neugier einen Blick hinein geworfen, vielleicht klappt das irgendwann noch.

Anabela war einverstanden uns an diesem Abend zu bekochen und ein schöner Tisch wurde im hinteren Teil schnell bereit gemacht.

Angenehm ist, dass die Tische einen ordentlichen Abstand zueinander haben. Dies ist keine Selbstverständlichkeit in Berlin, wahrt aber gefühlt ein Mindestmaß an Privatsphäre – die Voraussetzung für ein entspanntes Essen zu zweit.

Die Wände sind in einem herrlichen angenehmen tiefsamtigen Grünton gestrichen. Vielleicht ist es die Farbe, vielleicht die entspannte Atmosphäre die in diesem Restaurant herrscht, aber man wird ziemlich schnell ziemlich ruhig und gelassen. Fast schon geerdet. Die warme und dezente Beleuchtung der ungewöhnlichen Deckenlampen mit viel Kristallglas trägt ebenfalls dazu bei. An den Wänden hängen Bilderrahmen. In einigen von ihnen befinden sich handgeschriebene Rezepte. Diese stehen manchmal auf allen möglichen Dingen: einer Papiertüte oder einem Spitzendeckchen aus Papier auf das man normalerweise zur Deko einen Kuchen stellt. Das was eben wahrscheinlich mal schnell zur Hand war. Das wirkt ein wenig verschroben, liebenswert aber vor allem nahbar. Ich vermute es sind Rezepte der Köchin, von Freunden, Bekannten oder aus der Familie. Ein Schnappschuss von Anabela findet sich ebenfalls zwischen all den Rahmen. Sie wirkt auf mich lebenslustig und zufrieden.

Alle Tische sind schlicht mit einer feinen weißen Tischdecke gedeckt. Das Besteck ruht auf einer Stoffserviette, sieht schwer aus und wie aus einer anderen Zeit.

Meine Begleitung und ich starten mit etwas Prickelndem zum Anstoßen auf einen schönen Abend. Auf unseren Tisch wird lauwarmes Brot mit kleinen wilden Oliven mit Stein in einer Schale gebracht. Die Oliven haben einen starken, leicht fruchtig-säuerlichen Geschmack und werden schnell weg geknabbert.

Bei der Vorspeise entscheide ich mich für die Suppe mit Sinn und tue damit nicht nur mir selbst etwas Gutes. Ein Euro für die Suppe geht als Spende an die Berliner Tafel.

Der leicht süßliche Geschmack der Pastinaken wird vom etwas herberen Ziegenkäse sehr gut abgerundet. Die Vorspeise meiner Begleitung lässt mich nicht nur den einen oder anderen Blick hinüber werfen sondern auch meinen Löffel zum Probieren zücken. Ich bin wahrlich kein Fan von Leber. Aber diese hätte ich durchaus gegessen. Die Entenleber war extrem zart und ließ sich ganz leicht mit einem Löffel zerteilen. Der Geschmack erinnerte mich an einen gelungenen Entenbraten. Dazu gab es bissfest gegarte weiße Bohnen in Tomatensoße mit frischen Kräutersalat und einem Veilchen oben drauf.

Die Hauptspeise war eine ganze Dorade mit gegrilltem Gemüse und Topinambur. Allein schon die Farben die sich da auf dem Teller offenbarten waren ein Genuss für das Auge. Die Dorade war ein auf den Punkt gegartes Gedicht, schlicht gewürzt mit Fleur de Sel. Der Geschmack des zarten Fischfleisches wurde damit gekonnt unterstrichen. Das Gemüse war knackig gebraten und wurde in reichlich Olivenöl geschwenkt. Dieses Olivenöl war grandios, mild, sehr fruchtig ohne bittere oder scharfe Noten.

Anabelas7_Gimp

Nach einer kurzen Pause wurde noch ein Dessert geteilt. Die Weiße Schokoladenmousse hatte die perfekte Konsistenz und war dezent süß. Vom Geschmack her erinnerte sie mich an die Schokolade von Vivani Weiße Vanille. Die mag ich wirklich sehr. Die Granatapfelkerne und Blaubeeren passten als säuerliche Gegenspieler gut dazu. Bemerkenswert war das Birnenstück auf dem Dessert. Dieses muss in etwas eingelegt worden sein, Zimt und Nelke waren zu schmecken aber das andere wird wohl leider ein Geheimnis bleiben.

Anabelas_Dessert_Mousse

Das Essen ist für mich ein deftiger Mix aus Österreichischer und Portugiesischer Küche. Die Karte ist sehr klein und wechselt täglich. Die Gerichte sind bodenständig aber dennoch mit einer gewissen Raffinesse.

Der Abend war sehr schön. Man fühlt sich schnell wie in einem Wohnzimmer von guten Freunden, die sich liebevoll um einen kümmern. Die Atmosphäre ist entspannt. Hier geht es nicht um Sehen und Gesehen werden, auch nicht darum möglichst oft einen Tisch am Abend zu „verkaufen“. Es ist ein  Ort an dem eine sympathische und herzliche Köchin mit viel Leidenschaft kocht, mit einem engagierten Team das sich um das Wohl der Gäste kümmert. Fragen zu Weinen werden beantwortet. Es wurde sogar Wein zum Probieren gereicht, auch wenn er eigentlich nur als ganze Flasche angeboten wird. Natürlich nicht immer, was vollkommen ok ist.

Inzwischen waren wir noch einmal hier und kommen gern wieder.

Anabela1.2_Gimp

 

Adresse:

Anabelas Kitchen

Pestalozzistr. 3

10625 Berlin

Fon: 030 28 70 12 24

http://www.anabelas-kitchen.de


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