Wandern und Genießen – Seiser Alm

Wandern auf der Seiser Alm hat zwei riesige Vorteile: Man kann sich dort oben nicht verlaufen und zusätzlich sehr gute Südtiroler Köstlichkeiten probieren.

Verlaufen ist unmöglich, da dies zwar ein sehr großes aber eben auch abgeschlossenes Gebiet in den Dolomiten ist. Wir haben hier die größte Hochalm Europas und gleichzeitig ein UNESCO Weltkulturerbe. Die Schönheit dieser Welt da oben ist kaum mit Worten zu beschreiben. Es gibt viele markante Berge zur Orientierung und die Wege sind sehr gut ausgeschildert. Selbst ich mit praktisch nicht vorhandenem Orientierungssinn finde tatsächlich überall hin und wieder zurück.

Verhungern dürfte auch niemand. Sofern er nicht unbemerkt an einer ungünstigen Stelle irgendwo abrutscht und verschwindet. Die Dichte an Hütten ist unglaublich groß. Von einer bis zur nächsten ist es gefühlt ein Katzensprung. Außer die Leistungsfähigkeit nimmt nach einer langen, anstrengenden Wanderung rapide ab, so dass die realen Entfernungen sich scheinbar verdoppeln oder gar verdreifachen.

Wandern in frischer Bergluft macht hungrig. Eine Menge Kalorien werden obendrein ganz leicht verbrannt. Diese wollen genussreich aufgetankt werden.

Hier sind meine Favoriten für vier schöne Hütten mit zum Teil wundervoller Aussicht, die über spannende Wege zu erreichen sind.

 

Platz 4: Puflatschhütte (2100 m hoch gelegen)

Diese Hütte liegt oben auf dem sogenannten Puflatsch. Dort Führt ein entspannter Rundweg mit einem herrlichen Ausblick auf die Täler und entfernten Berge entlang. Vorausgesetzt die Wolken hängen nicht zu tief. Die Hütte verfügt über eine sehr große Terrasse. Von dort aus sieht man über einen Teil der Seiser Alm hinüber zum Plattkofel und Langkofel. Die Terrasse ist sehr beliebt und fast immer komplett gefüllt wegen der fantastischen Aussicht. Im Restaurant lässt es sich ebenfalls gut sitzen. Die Musik ist zünftig, geboten wird köstliche Südtiroler Küche. Was ich sehr mag, sind Schlutzkrapfen. Da diese als Vorspeise gereicht werden, ist die Portion natürlich kleiner. Für mich sind es die besten Schlutzkrapfen, die ich bisher probiert habe. Der Spinat ist frisch und gut gewürzt. Die Butter ist schön gebräunt, dazu etwas frischer Parmesan oben drauf. Und weil es nur eine Vorspeise ist, findet hinterher sogar ein Dessert Platz. Das Tiramisu, in einem großen Glas angerichtet, ist schön fluffig und angenehm süß. In der Kühlvitrine nahe am Eingang gibt es noch große Stücke selbst gebackenen Kuchen. Davon werde ich das nächste Mal ein Stück probieren.

Die Auswahl in der Karte ist recht groß und hört sich vielversprechend an. Es gibt auch glutenfreie Speisen.

Tipp: Nach dem Essen unbedingt rüber zur Engelsrast gehen und die grandiose Aussicht genießen.

 

Platz 3: Mahlknechthütte Rifugio Molignon (2054 m hoch gelegen)

Das Schutzhaus ist unter anderem über den Weg Nr. 7 oder 8 A erreichbar. Ich bin nur durch Zufall dort entlang gekommen und eingekehrt. Der ursprüngliche Plan war ein anderer. Aber manchmal sind Zufälle eben auch Glücksfälle. Das Schutzhaus ist ziemlich groß. Man kann hier übernachten oder es sich einfach auf der großen sonnigen Terrasse gut gehen lassen. Die Atmosphäre ist entspannt. Man kommt schnell mit anderen Gästen ins Gespräch. Viele Mountainbiker legen hier einen Zwischenstopp ein.

Die Auswahl an Speisen ist groß. Empfehlenswert sind hier ebenfalls die mit Spinat gefüllten Schlutzkrapfen, mit brauner Butter und Parmesan als Hauptgericht serviert. Die Dinkel-Käse-Spätzle schmeckten kräftig und werden mit viel geriebenem Bergkäse in einer sahnigen Sauce gereicht. Die Portion war kaum zu schaffen.

Während des Essens kann man das Bergpanorama genießen und schon von den nächsten Wanderungen träumen.

 

Platz 2: Almrosenhütte (in 2004 m Höhe)

Man gelangt zum Beispiel über den Steger Weg mit der Nr. 12 bzw. 12 A dorthin. Es ist ein angenehmer und relativ leicht zu gehender Weg. Die Hütte ist klein im Vergleich zu den anderen. Dafür ist sie urig und gemütlich. Es gibt eine Terrasse auf der man sitzen und sich erholen kann. Der hintere Teil der Terrasse ist der schönste. Wenn die Sonne scheint, kann man sich hier herrlich durchwärmen lassen. Drinnen ist es etwas beengt wenn es voll ist.

Bitte ein wenig Zeit mitbringen. Hier ist immer viel los und außerdem wird nahezu alles frisch zubereitet.

Nach einer anstrengenden Wanderung ist eine Frittatensuppe genau das Richtige. Die Brühe schmeckt schön kräftig, ist gut gewürzt. Die Frittaten sind selbst gemacht.

Doch das mit Abstand leckerste ist der Kaiserschmarrn. Einen besseren habe ich noch nirgendwo gegessen und ich habe schon einige probiert. Der Teig ist locker, leicht süß, schmeckt nach mehr. Ihr könnt ihn auch ohne Rosinen bestellen, wenn ihr diese wie ich nicht mögt. Dazu gibt es entweder selbst gemachtes Apfelmus oder Preiselbeerkompott. Am liebsten möchte ich nie teilen, aber die Portion ist als Dessert zu groß. Eine Überlegung wäre, ihn als Hauptgericht zu genießen.

 

Platz 1: Rifugio Friedrich August (2298 m hoch gelegen)

Kommen wir zu der absoluten Überraschung, die ich beim letzten Aufenthalt entdeckt hatte. Zugegeben, der Weg zu dieser Hütte ist weit, selbst wenn man von der Bushaltestelle Saltria aus startet. Eine kleine Abkürzung und Erleichterung gönnt man sich mit der Nutzung der Floralpina Seilbahn. Aber den etwas anstrengenden Weg hinauf bis zur Plattkofelhütte kann sie euch leider nicht abnehmen. Dort oben beginnt der Friedrich-August-Weg mit der Nr. 557. Benannt wurde dieser nach dem Sächsischen König Friedrich August der das Wandern und Bergsteigen liebte. Der Weg ist stellenweise manchmal eher ein Pfad und es gibt auch ein paar schwierigere Stellen, wenn der Schnee noch nicht komplett abgetaut ist. Dennoch ist es einer der schönsten Wege die man dort oben wandern kann. Der Ausblick auf die fernen Berge, besonders die Marmolata, ist unglaublich schön.

Dieses Rifugio ist so etwas wie die Luxusvariante einer Hütte mit ziemlich viel Komfort und einer Bar. Es gibt eine große Außenterrasse und einen mit viel Glas gestalteten Bereich, der einem fast schon das Gefühl gibt draußen zu sitzen. Der Blick schweift nahezu frei über diese unglaubliche wilde Bergwelt.

Die Auswahl in der Karte ist groß. Die Küche bietet Ladinische und Tiroler Spezialitäten an. Die Weinkarte enthielt eine wirklich erlesene Auswahl an Weinen.

Bestellt wurde eine Käseplatte mit verschiedenen Sorten Bergkäse mit Feigensenf und einem Rote-Beete-Chutney. Dazu gab es verschiedene Sorten Brot, unter anderem Schüttelbrot. Schüttelbrot hat die typische Gewürzmischung aus Kümmel, Fenchel, Anis und Schabzigerklee. Der Nachtisch war ein klassischer warmer Apfelstrudel mit Vanillesoße.

Fazit: Die Seiser Alm – Liebe auf den ersten Blick. Das mich jemals ein Ort so in Beschlag nimmt, das ich immer wieder dorthin zurückkehre, hatte ich bisher selten. Die schroffen und meist schneebedeckten Berge haben eine magische Anziehungskraft. Die Luft ist rein und klar. Im Juni blühen die Almwiesen in einer zarten bunten Farbenpracht, das Gras ist saftig grün. An einigen Stellen hält sich hartnäckig der letzte Schnee und nachts kann es noch empfindlich kalt werden. Der Himmel ist wunderschön blau mit weißen Bilderbuchwolken. Oder er ist grau und es hagelt und regnet abwechselnd, während an einer Ecke schon wieder die Sonne kräftig scheint. Dann wirken die Berge nur noch wilder und zeichnen sich scharf gegen den Himmel ab. Ich kenne bisher keinen schöneren Ort für eine Entschleunigung.

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